Geschichte und gesellschaftliche Bedeutung

Schon Hippokrates (460–377 v. Chr.) beschrieb die Urtikaria als eigenständiges Krankheitsbild und nannte sie „Knidosis“ nach dem griechischen Wort „knido“ für Nesseln. Die wahrscheinlich früheste Beschreibung der Krankheit findet sich jedoch in dem Buch Huang Di Nei Jing („Des Gelben Kaisers Kenntnisse der Inneren Medizin“), das zwischen 1000 und 200 v. Chr. geschrieben  wurde. Darin findet sich unter „Grundlegende Fragen“ die Beschreibung der Urtikaria unter dem Namen „Feng Yin Zheng“«, was so viel heißt wie „Wind-verborgen-Ausschlag“ und damit Quaddeln meint, die immer wieder erscheinen. Noch heute ist Feng Yin Zheng das chinesische Wort für Urtikaria.

Bildunterschift die noch fehlt
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Wie entstand der Name Urtikaria?

Die Benennung der Erkrankung veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte mehrmals, orientierte sich jedoch immer an ihrem Erscheinungsbild. Im ersten Jahrhundert stellte Plinius das Brennen (lateinisch: urere) in den Vordergrund und nannte sie Uredo. Unter Zedler (1740) wurde die Ähnlichkeit der Hautveränderung mit den Veränderungen nach Brennnesselkontakt bedeutsam und wurde danach Urticatio genannt. Nachdem verschiedene Bezeichnungen wie Randados spanisch: Nesseln), Morbus porcellaneus (Weißfärbung) oder Scarlatina urticaria in die Geschichte eingingen, wurde der Name Urticaria 1769 von William Cullen eingeführt und 1792 von Johann Peter Frank übernommen. 

Frühzeitliche Versuche einer Herkunftserklärung

Im Laufe der Geschichte veränderten sich außer den Bezeichnungen auch die Erklärungsversuche für das Auftreten einer Urtikaria. Nach dem Buch Huang Di Nei Jing wurden Quaddeln durch Wind ausgelöst, sei er äußerlicher oder auch innerlicher Natur, wie Blutschwäche oder Hitze des Blutes. Im Mittelalter wurde der Wind als Übeltäter durch den Teufel ersetzt. Zumindest der symptomatische Dermographismus (früher auch Urticaria factitia genannt), eine Form der induzierbaren Urtikaria, wurde als Teufelswerk angesehen und entsprechend mit Enthauptung oder Verbrennung bestraft. Seither wurde von den Hormonen bis zu den Sternzeichen der Betroffenen eine Vielzahl von Faktoren mit dem Auftreten einer Urtikaria in Verbindung gebracht. Das Verständnis der Erkrankung im heutigen Sinne basiert auf der Entdeckung der Mastzelle durch Paul Ehrlich im Jahre 1879, des Botenstoffs Histamin durch Adolf Windems 1907 und des körpereigenen Antikörpers Immunglobulin E (IgE) durch die Arbeitsgruppen um Ishizaka und Johansson 1965–1967. 

Häufigkeit innerhalb der Bevölkerung

Urtikaria ist eine ausgesprochen häufige Erkrankung. Schätzungsweise erleidet jeder vierte Mensch einmal im Leben eine Urtikaria. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um die akute Form, d. h. eine weniger als sechs Wochen anhaltende Urtikaria. 1–2 % der Bevölkerung leiden allerdings an einer chronisch verlaufenden Urtikaria. Fast alle Untersuchungen zeigen, dass mehr Frauen als Männer betroffen sind. Das liegt aber nicht unbedingt daran, dass mehr Frauen an einer Urtikaria erkranken, sondern dass die Erkrankung bei Frauen wesentlich länger andauert. Es könnte aber auch widerspiegeln, dass Frauen eine höhere Neigung oder Bereitschaft aufweisen, sich wegen ihrer Beschwerden in ärztliche Behandlung zu begeben. Interessant ist weiterhin, dass Männer von induzierbaren Formen der Urtikaria, wie der Druckurtikaria, häufiger betroffen sind. Vielleicht, weil die damit verbundenen Beschwerden vor allem bei starker körperlicher Belastung ausgelöst und als störend empfunden werden. 

Eine chronische Urtikaria beeinflusst viele Lebensbereiche

In welchem Lebensalter tritt eine Urtikaria am häufigsten auf?

Eine Urtikaria kann in jedem Lebensalter auftreten, auch bei Säuglingen und im hohen Alter. Von der chronischen spontanen Urtikaria sind am häufigsten 30- bis 50-jährige Menschen betroffen. Gleiches gilt für die meisten Formen der chronischen induzierbaren Urtikaria. Eine Ausnahme stellt die cholinergische Urtikaria dar, bei der z. B. körperliche Anstrengung das Auftreten von Quaddeln herbeiführt, sie tritt am häufigsten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf.